Eigentlich klingt es ganz einfach.
Hinsetzen. Nichts erledigen. Nicht noch schnell eine Nachricht beantworten. Nicht nebenbei die Küche aufräumen. Nicht überlegen, was als Nächstes auf der To-do-Liste steht.
Einfach mal nichts tun.
Und genau das kann erstaunlich schwierig sein.
Da ist endlich ein freier Moment – und plötzlich fallen uns fünf Dinge ein, die wir noch erledigen könnten.
Oder wir sitzen tatsächlich einmal auf dem Sofa und nach wenigen Minuten kommt der Gedanke:
Eigentlich könnte ich doch noch …
Warum fällt es uns manchmal leichter, freie Zeit wieder mit etwas zu füllen, als sie tatsächlich frei zu lassen?
Wann ist Zeit für uns eigentlich „gut genutzt“?
Wir bewerten Zeit häufig danach, was wir in ihr geschafft haben.
Eine Aufgabe ist erledigt.
Die Wohnung ist aufgeräumt.
Die E-Mails sind beantwortet.
Ein Projekt ist ein Stück weiter.
Wir können sehen, was wir getan haben.
Aber was haben wir nach zehn Minuten Nichtstun vorzuweisen?
Vielleicht gar nichts.
Zumindest nichts, was sich abhaken oder anderen zeigen lässt.
Deshalb finde ich eine andere Frage viel interessanter:
Wann empfindest du deine Zeit eigentlich als wertvoll?
Nur dann, wenn du etwas erledigt hast?
Oder darf Zeit auch dann wertvoll sein, wenn du einfach nur da warst?
Was haben wir über Nichtstun gelernt?
Unsere Vorstellungen darüber, wie wir unsere Zeit verbringen sollten, entstehen nicht im luftleeren Raum.
Vielleicht hast du in deiner Familie erlebt, dass immer etwas zu tun war.
Vielleicht wurde Fleiß besonders wertgeschätzt.
Vielleicht kennst du Sätze wie:
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
„Von nichts kommt nichts.“
Oder:
„Wenn du schon Zeit hast, kannst du auch …“
Vielleicht war es bei dir aber auch ganz anders.
Wir bringen unterschiedliche Erfahrungen mit und bewegen uns gleichzeitig in gesellschaftlichen Zusammenhängen, in denen Leistung und Produktivität häufig einen hohen Stellenwert haben.
Viel spannender finde ich:
Was habe ich eigentlich darüber gelernt, wie ich meine Zeit verbringen sollte?
Und:
Welche dieser Vorstellungen passen heute noch zu meinem Leben – und welche vielleicht nicht mehr?
Wenn selbst Erholung zur Aufgabe wird
Manchmal machen wir sogar aus unseren Pausen wieder ein Projekt.
Wir gehen spazieren und zählen Schritte.
Wir meditieren, um entspannter oder konzentrierter zu werden.
Wir planen unsere Selbstfürsorge.
Und manchmal steht sogar die Entspannung als nächster Punkt auf unserer inneren To-do-Liste.
Dabei dürfen wir uns einmal fragen:
Muss eigentlich alles, was ich tue, einen bestimmten Zweck erfüllen?
Darf ich etwas tun, einfach weil es mir gerade guttut?
Oder sogar einmal gar nichts tun, ohne anschließend sagen zu können, was es mir gebracht hat?
Vielleicht ist Nichtstun gar nicht wirklich „nichts“
Wenn du ein paar Minuten aus dem Fenster schaust, passiert äußerlich vielleicht nicht viel.
Innerlich kann trotzdem einiges geschehen.
Du bemerkst vielleicht, dass du müde bist.
Ein Gedanke taucht auf, für den vorher kein Raum war.
Du spürst eine Anspannung.
Oder plötzlich entsteht eine Idee.
Wenn die Ablenkung weniger wird, können wir Dinge wahrnehmen, die im vollen Alltag leicht untergehen.
Wir müssen sie nicht sofort analysieren oder verändern.
Wir dürfen zunächst einmal bemerken, dass sie da sind.
Muss erst alles erledigt sein?
Vielleicht kennst du den Gedanken:
Wenn ich das noch fertig habe, dann mache ich Pause.
Nur kommt danach häufig die nächste Aufgabe.
Deshalb lohnt sich vielleicht eine andere Frage:
Welche Bedingungen stelle ich eigentlich an meine eigene Erholung?
Muss erst alles erledigt sein?
Müssen erst alle anderen versorgt sein?
Muss ich mir eine Pause verdient haben?
Oder darf Ruhe genauso selbstverständlich zu meinem Leben gehören wie Aktivität?
Es geht dabei nicht darum, Verantwortung oder Aufgaben einfach liegenzulassen.
Sondern darum, die eigenen Regeln einmal bewusster wahrzunehmen und zu schauen:
Sind sie für mein heutiges Leben eigentlich noch stimmig?
Eine Facette deines SeelenDiamanten®
In der SeelenDiamant®-Methodik betrachten wir unterschiedliche Bereiche unserer persönlichen Lebenslandkarte.
Dazu gehören auch Energie und Wohlbefinden.
Und vielleicht besteht Entwicklung nicht immer darin, noch etwas zu verändern oder zu optimieren.
Manchmal kann es genauso wertvoll sein, einen Moment wahrzunehmen:
Wie geht es mir gerade?
Was brauche ich?
Was darf vielleicht einfach einmal sein?
Auch solche Momente können uns dabei helfen, die eigene Lebenslandkarte besser zu verstehen.
Fragen für deine Reflexion
Nimm dir die Fragen mit, die dich gerade ansprechen:
Was bedeutet Nichtstun für mich persönlich?
Welche Gedanken oder Gefühle entstehen, wenn ich einmal nichts Produktives mache?
Was habe ich über Fleiß, Leistung, Pausen und Erholung gelernt?
Welche dieser Vorstellungen passen heute noch zu mir?
Wann kann ich mir Ruhe leicht erlauben – und wann weniger?
Welche Bedingungen stelle ich an meine eigenen Pausen?
Was hilft mir persönlich dabei, einen Moment einfach nur zu sein?
Eine kleine Übung für deinen Alltag
Beobachte in den nächsten Tagen einmal, was passiert, wenn unerwartet ein freier Moment entsteht.
Vielleicht sind es nur fünf Minuten.
Bevor du automatisch zum Handy greifst oder die nächste Aufgabe suchst, bleib einen Moment dort.
Du musst nicht meditieren.
Du musst deine Gedanken nicht abschalten.
Und du musst diesen Moment auch nicht sinnvoll nutzen.
Frag dich einfach:
Was passiert gerade in mir, wenn nichts von mir verlangt wird?
Vielleicht fühlt sich das angenehm an. Vielleicht ungewohnt. Vielleicht wirst du unruhig oder dir fällt sofort etwas ein, das du erledigen könntest.
Versuche, es zunächst nicht zu bewerten.
Denn auch diese Beobachtung kann dir etwas über deine persönliche Lebenslandkarte zeigen.
Nichtstun muss kein neues Ziel werden
Auch aus dem Nichtstun müssen wir kein neues Entwicklungsprojekt machen.
Es geht nicht darum, jeden Tag möglichst lange nichts zu tun oder möglichst entspannt zu sein.
Es geht darum, die eigenen Muster ein Stück besser kennenzulernen.
Was bedeutet Ruhe für mich?
Was beeinflusst meinen Umgang mit Pausen?
Und vielleicht vor allem:
Was brauche ich gerade wirklich?
Wenn du das Thema weiter vertiefen möchtest, findest du auf meinem YouTube-Kanal den SeelenDiamant®-Impuls „Warum fällt es uns manchmal so schwer, zur Ruhe zu kommen?“
Dort betrachten wir noch einmal andere Facetten rund um innere Ruhe, unseren Alltag und die vielen Reize, die uns täglich begleiten.
Denn beim Schleifen deines SeelenDiamanten® geht es nicht darum, dir vorzugeben, wie dein Weg aussehen muss.
Sondern darum, deine eigene Lebenslandkarte immer besser zu verstehen und herauszufinden, was für dich stimmig ist.